Josef Hader, ehemaliger Lehramtstudent und Klosterschüler, über seine Ansichten zum Lehrer-Streit, sein Problem mit der katholischen Kirche und warum ihm “Gutmensch-Überschriften” unangenehm sind.
Im klassischen Kabarettisten-Outfit betritt Josef Hader die Bühne: Schwarze Hose, schwarzes Jackett und ehemals schwarzes Hemd. In seinen Händen hält er einen großen Bücherstapel: „Keine Sorge”, bemerkt er in Richtung Publikum, „das schaut mehr aus, als es ist”.
Im Rahmen einer Benefizveranstaltung, die der oberösterreichische Kabarettist in seinen dicht gedrängten Terminplan untergebracht hat, liest Hader an diesem Abend Texte jüdischer Autoren der Zwischenkriegszeit. Trotz seines karitativen Engagements mag er den Medienrummel, der derzeit um ihn veranstaltet wird, nicht besonders. Vor allem „Gutmensch-Schlagzeilen”, wie er sie nennt, sind ihm unangenehm: „Das lässt mich nach einem viel besseren Menschen aussehen, als ich eigentlich bin”, versichert er augenzwinkernd und lacht: „So guat bin i net.”
Im Vergleich zu anderen Künstlern, so Hader, sei sein Engagement nicht der Rede wert. Aus diesem Grund erfährt man auch nichts Näheres über die konkrete Summe, die er dem Theater am Alsergrund zu dessen Rettung zur Verfügung stellt. „Wenn ich das jetzt sage, mache ich mich nur noch wichtiger. Außerdem weiß ich es selbst nicht genau. Es gibt die Zusage von mir, dass ich das Defizit abdecke. Wie viel das ist, erfahre ich erst Ende des Jahres.”
Der 47-Jährige sitzt entspannt zurückgelehnt in der geblümten Couch im Backstage-Bereich des Stadttheaters Walfischgasse. Er ist gut gelaunt. Obwohl er derzeit von einem Termin zum nächsten hetzt: „Momentan hab´ ich es ein bisschen dick. Und ich mache leider immer alles im letzten Augenblick. Es ist mir nicht anders beizubringen.”
An seinen letzten freien Tag kann sich der zweifache Vater, nicht mehr wirklich erinnern. Kinopremieren, Tournee, Preisverleihungen – für Familie und Erholung bleibt momentan nur wenig Zeit.
Josef Hader nimmt seinen Erfolg gelassen. Er trinkt einen Schluck Wasser, drückt sich in die bunt gemusterten Couchpolster und gibt sich unbefangen.
„Mich kennt ja jetzt nicht Jeder, ich bin so halb prominent und so soll das auch bleiben. Die Leute fragen mich oft, ob ich vor irgendwelchen Kameras Vanille-Kipferln testen will oder Skateboards, aber so was mache ich nicht.” Die eigentliche Arbeit – „wegen der ich ja interessant bin” – soll im Vordergrund stehen.
Im Alter von zehn Jahren war Hader Ministrant, Mesner, Chorsänger und Schüler des Stiftsgymnasiums Melk. Sein Lausbubengrinsen ist ihm geblieben. Seine positive Haltung zur katholischen Kirche auch?
„Ich habe die Kirche in den 70er Jahren als sehr offenen Verein erlebt. Seit damals entwickelt sie sich aber in eine immer fundamentalere Richtung. Mir kommt es vor, als wolle man auf den Stand der 50er zurückzukehren. Momentan habe ich starke Zweifel, ob die aktuellen Überlegungen der Kirche zu meinen Einstellungen passen.” Einen Papst kann er noch abwarten: „Wenn sich dann nichts ändert”, würde der 47-Jährige der Kirche den Rücken kehren.
Beinahe ebenso zwiegespalten wie Haders Standpunkt zur katholischen Kirche, ist sein Zugang zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion.
Vor 17 Jahren hat der gebürtige Oberösterreicher Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert, dennoch ist der Fast-Berufsanwärter im Lehrer-Streit geteilter Meinung: „Es hat in diesem Bereich viele Jahre den totalen Stillstand gegeben. Dass jetzt endlich etwas in Gang gesetzt wird, finde ich gut. Auch wenn es die Bildungsministerin nicht allen recht machen wird, gefällt mir der Reformansatz.”
Kein Verständnis für Einwände von Seiten der Pädagogen? „Ich habe kein Verständnis für diejenigen, die sagen: »Es darf sich nichts verändern«. Aber Lehrer werden oft als Sündenböcke missbraucht. Ich bin total auf ihrer Seite, wenn es darum geht für den Mehraufwand, der eventuell auf sie zukommt, finanziell entschädigt zu werden.”
Seine Entscheidung für das Kabarett und gegen die Schule hat Hader trotz des momentan stressigen Termindrucks nicht bereut. Ferien von Juni bis September gönnt sich der Kabarettist dieses Jahr auch so.
© Verena Randolf
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