Verena Randolf – Freelance Journalistin


Ein Rezept gegen Bitterfotzigkeit, bitte!
30/07/2009, 19:26
Einsortiert unter: 5. Maria Sveland, Veröffentlicht

In ihrem Buch „Bitterfotze“ rechnet die schwedische Bestseller-Autorin Maria Sveland mit der „schein-emanzipierten“ Gesellschaft ab: Sie lässt ihre Romanheldin Sara desillusioniert und frustriert  über ihr Dasein als junge Mutter, Hausfrau und Ehegattin nachdenken und scheut sich nicht zu provozieren. Seit kurzem gibt es den kontroversiellen Roman auch auf deutsch.

„Es gibt keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Vor allem im privaten Bereich nicht. Viele gaukeln sich selbst vor in emanzipierten Partnerschaften zu leben, nur weil ihr Partner ein Mal pro Woche den Staubsauger zur Hand nimmt.“

Maria Sveland kommt ohne Umschweife zur Sache: „Genau diese „Schein-Emanzipation“ ist der Grund allen Übels und lässt Frauen „bitterfotzig“ werden.“

„Bitterfotzig“ – abgeleitetes Adjektiv von „Bitterfotzigkeit“, Eigenschaft von „Bitterfotzen“. Die Wortkreation der schwedischen Autorin Maria Sveland lässt viele Leser die Nase rümpfen. Dennoch hat die 35-Jährige auf den provokanten Titel ihres Erstlingswerkes bestanden: „Dieses Wort bezeichnet exakt die Empfindungen, die viele Frauen haben, wenn sie kurz nach der Hochzeit ihr erstes Kind zur Welt bringen: Wie meine Protagonistin Sara fühlen sie sich schuldig und schämen sich, weil sie in ihrer Mutterrolle nicht die vollkommene Erfüllung finden. Sie erkennen, dass sie in Organisation von Haushalt und Erziehung viel mehr Verantwortung tragen als ihr Partner; das frustriert sie, macht sie zornig. Ich kenne das selbst: Ich war oft richtig angekotzt.“

Obwohl „Bitterfittan“, wie Svelands Werk im Original heißt, eine fiktionale Novelle ist, hat die Schwedin viele eigene Erfahrungen eingebaut: „Mein Mann war der erste, der das fertige Buch zu lesen bekam. Ich war damals sehr nervös und dann unglaublich erleichtert, als ich ihn herzhaft lachen hörte. Er erkannte uns beide in meinen Romanfiguren.“ Und auch die Leser können sich mit dem Protagonistenehepaar identifizieren: „Ich bekomme viele E-Mails von Leuten, die schreiben, dass meine Geschichte ebenso ihre eigene sein könnte. Das macht wahrscheinlich den Erfolg meines Buches aus.“

Über 150.000 Leser haben in Schweden dafür gesorgt, dass der Roman der zweifachen Mutter wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten rangierte.

Die Geschichte: Sara setzt sich nach Teneriffa ab, um ihr bisheriges Leben zu resümieren. Sie ist mit einem erfolgreichen Mann verheiratet, hat ein Kind und lebt in einer Kleinfamilien-Idylle, die immer mehr zum Albtraum wird.

Dass das Buch auch am deutschsprachigen Markt Erfolg haben wird, bezweifelt Sveland nicht: „In Österreich gibt es, im Vergleich zu Schweden, weniger Kinderbetreuungseinrichtungen. Das heißt, Mütter stehen vor noch viel größeren organisatorischen Herausforderungen. Meiner Meinung nach können Frauen in einem System, das so viel von ihnen abverlangt, nicht glücklich werden.“

Müssen sich Frauen also mit ihrer Rolle als „Bitterfotzen“ abfinden, oder gibt es ein Rezept dagegen? „Erst einmal: „Bitterfotzigkeit“ ist ja kein durchwegs negativer Zustand. Damit Veränderungen stattfinden können, braucht es so starke Emotionen. Vielleicht ist mein Buch eine Art Rezept dagegen, weil in der Geschichte offen ausgesprochen wird, was viele heimlich empfinden, aus Scham aber nie zugeben würden: Dass sie überfordert, ausgelaugt und unzufrieden sind.“

Frau Sveland, wären Sie nicht Autorin dieses Romans: Wie hätten Sie reagiert, wenn Ihnen jemand „Bitterfotze“ zum Muttertag geschenkt hätte?“ „Ich wäre wohl etwas perplex gewesen, hätte zu lesen begonnen und der Inhalt hätte mich überrascht. Das Buch eignet sich aber durchaus auch als Vatertagsgeschenk, sofern man sich nicht vor Diskussionen scheut.“

Maria Sveland wurde 1974 in Schweden geboren. Sie absolvierte ein Studium an der Universität Stockholm und arbeitet seitdem als Journalistin. Sveland ist, trotz Krisen, seit 14 Jahren glücklich verheiratet und hat zwei Söhne.


Hinterlasse einen Kommentar bis jetzt
Hinterlasse einen Kommentar



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s



Follow

Get every new post delivered to your Inbox.