Verena Randolf – Freelance Journalistin


„Ich bin keine blöde Kuh!“
24/01/2012, 17:59
Einsortiert unter: 9. Erni Mangold, Veröffentlicht

Obwohl es sie eigentlich gar nicht geben durfte, ist sie just an dem Tag, als ihre Mutter am Kirtag zum Tanz verabredet war, zur Welt gekommen. Sieben Abtreibungen hatte die Mutter zum Zeitpunkt ihrer Geburt hinter sich, Erni Mangold hätte die achte werden sollen.

Auf dem Wirtshaustisch in einem Nebenzimmer des heutigen Gasthauses Maurer in Großweikersdorf erblickte sie ganz ungeniert das Licht der Welt. Ungeniert ist sie bis heute, ein Gasthauskind ebenfalls. Bei ihrem Stammwirten in St. Leonhard am Hornerwald ist die Schauspielerin oft und gerne. Sie sitzt an der Budl und trinkt ein Bier oder Zweigelt: „Ich bin halt noch immer ein Gasthauskind und ganz normal.“ Wenn jemand frech wird, mault sie zurück. Das war schon immer so. Ihrem Ruf als „Sexerl mit der großen Goschen“ wird sie gerecht, auch noch mit 85. Starallüren kennt sie nicht. Und das obwohl die Schauspielerin in unzähligen Theaterstücken, über 60 Filmen und 20 TV-Produktionen spielte. Seite an Seite mit Helmut Qualtinger, O. W. Fischer, Curd Jürgens, Paula Wessely und vielen anderen. Trotzdem: „Geh! Ich bin kein Star…und keine blöde Kuh! Ich red ganz normal mit den Leuten!“
Den St. Leonhardern jedenfalls ist Mangold ans Herz gewachsen: „Zu meinem 80. Geburtstag haben sie einen Weg nach mir benannt. Das ist wirklich eine der schönsten Auszeichnungen für mich!“ Dass Mangold sich gerade im Hornerwald niedergelassen hat, bezeichnet sie als großen Zufall.
1975 haben sie Studenten zu einem alten, freistehenden Bauernhaus geschleppt, zuerst war sie skeptisch: „Ich kannte „dieses Waldviertel“ ja aus meiner Kindheit und war nicht sonderlich begeistert“, erzählt sie, „als ich das alte Haus jedoch sah, wusste ich sofort: Das ist meins! Wahrscheinlich ist das so, weil da früher mal ein Meer war und ich hab eine ganz besondere Beziehung zu Wasser. Jedenfalls“, fährt sie fort, „ hab ich mich dort gleich wohl gefühlt. Ich war plötzlich sehr zufrieden.“
In ihrer kürzlich erschienenen Biografie schreibt Mangold: „Der Himmel über dem Hornerwald ist einer der schönsten auf der ganzen Welt. Ich finde alles hier entspannend. Die Leute sind offen, natürlich, zugänglich und haben einen harten Schädel – so wie ich.“ Mangolds harter Schädel sorgt dafür, dass sie sogar an ihrem bevorstehenden 85. Geburtstag am 26. Jänner arbeitet. Schonen will sie sich nicht. „Ich bin ein Workaholic“, sagt sie, „momentan spiele ich in drei Stücken. Das ist ein bissl viel, aber in meinem Beruf steht man eben unter Leistungsdruck.“ Ihren Geburtstag verbringt die Schauspielerin auf der Bühne. Als viel gelobter Geist Lumpazivagabundus im Theater in der Josefstadt. Gefeiert wird auf der Bühne mit Kollegen und Publikum. Aber wünschen tut sie sich nix.


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